Anhang II
Unvollkommenheiten
Es gibt Menschen, die das Verlangen haben nach regelmäßigem Empfang des Bußsakramentes, aber sie wissen nicht, was sie beichten sollen, obwohl sie noch nicht vollkommen sind. Damit sind nicht die gemeint, die schon seit zwanzig oder dreißig Jahren nicht mehr gebeichtet haben und dann noch meinen, sie seien ohne Sünden. Hier sind die gemeint, die fühlen, daß sie fehlerhafte Menschen sind, aber ihre Fehler nicht richtig erkennen oder wenigstens nicht richtig bezeichnen können. Es hat hingegen auch Heilige und heiligmäßige Menschen gegeben, die wöchentlich oder täglich gebeichtet haben, wie etwa Theresia von Lisieux oder P. Leopold Mandic (+ 1942 in Padua). Man darf von ihnen annehmen, daß auch die läßliche Sünde in ihrem späteren Leben überwunden war. So weit kann der Mensch mit Gottes Hilfe in diesem Leben kommen. Nicht möglich aber ist für den erbsündlichen Menschen in dieser Erdenzeit das dauernde Freibleiben von Unvollkommenheiten. Mit diesem Begriff sind Schwächen gemeint, die sich aus der Natur des Menschen im Stande seiner Erdenpilgerschaft ergeben. Es wird auch hier bisweilen die Grenze zwischen läßlicher Sünde und Unvollkommenheit fließend und schwer erkennbar sein, so wie es der heilige Augustinus auch von der Grenze zwischen schwerer und läßlicher Schuld annimmt.
a) Unvollkommenheiten gegen Gott: unfreiwillige Glaubenszweifel, unfreiwillige Zerstreuungen im Gebet oder bei der Mitfeier der heiligen Messe, zögernde Hingabe an seinen heiligen Willen im Leid, zu große Furcht vor dem blutigen Martyrium oder der Todesstunde überhaupt, ungewolltes Unverständnis für seine Fügungen, Führungen, Zulassungen und seine oft rätselhafte Langmut.
b) Unvollkommenheiten gegen sich: erste, unfreiwillige Regungen der Ungeduld, Aufregung und Sinnlichkeit, Unzufriedenheit mit seinen eigenen Schwächen, Grenzen und Fehlern, mangelhafte Ablenkung von Stimmungen der Traurigkeit. Unnützes Reden von sich.
c) Unvollkommenheiten gegen die Mitmenschen: unfreiwillige Zu- und Abneigungen, unbefugtes Einmengen in fremde Angelegenheiten, unbeherrschte Neugierde, ungewollte Unfreundlichkeit, Ungeduld, unüberlegtes Reden, Mangel an Takt, Feinfühligkeit und Verständnis für andere, Mangel an Ordnungsinn, Bescheidenheit und Pünktlichkeit.




weiterlesen...